Wir haben einen wunderschönen Park mit mehreren schönen Kinderspielplätzen und großen Sandkästen. Dort spielen sie, dort streiten sie, wer den meisten Sand bekommt und das größere Schauferl hat. Denn der mit dem größten Schauferl bestimmt, was die anderen so zu tun haben. Das haben sie vorher so ausgemacht und jeder hat seine Anhänger, die dem mit dem großen Schauferl den Sand zuschaufeln und sich selbst auch ein wenig davon behalten dürfen.

Da hat, nicht allzu lange her, einer seine Eisenbahn gegen das Schauferl eingetauscht, um der Chef im Sandkisterl zu sein, er hatte den Ehrgeiz, Kuchenformen auszustechen, bestenfalls eine Kugelbahn zu bauen. Das war sein Plan A.

Allerdings musste er sich das Schauferl mit einem anderen teilen, was er aber nicht wollte. Statt sich um seine Mitspielenden zu sorgen, beklatschte er die fremden Kinder, die zahllos in den Park, den Spielplatz und in die Sandkiste strömten, wo es langsam eng wurde, und so gab es Streit.

Die aufgeregten umhersitzenden Mütter, Omas, Tanten und Karenzväter sprangen dazwischen, beendeten das Gezeter und bestimmten einen neuen Oberschaufler. Nicht den Ältesten, nein, einen der Jüngsten, der eine Burg bauen wollte. Denn mittlerweile wollten alle in den Park, dass sich keiner mehr auskannte, geschweige denn mitspielen wollte oder konnte. Der Neue hatte aber seinen eigenen Plan und schaufelte mit den Freunden an der Umsetzung.

Der arme Lokführer, der für nur ganz kurze Zeit das Schauferl innehatte, konnte nur mehr zuschauen, wie die anderen mit ihren Freunden spielten und bauten. Trotzig bewarf er den Neuen mit Sand, den er, er hatte ja kein Schauferl mehr, mit beiden Händen aufsammeln musste, obwohl ihm dieser unter den Fingernägeln kleben blieb. Heulend lief er sogar zum nächsten Spielplatz um seinen ehemaligen Kollegen zu vernadern, und weinte sich bei seinen dortigen Gesinnungsgenossen aus.  Ja, er stachelte sie sogar an, seine Sandkiste mit einem Bann zu belegen, denn Burgen zu bauen sei ja schändlich und man sollte das doch von außen her überprüfen. Denn wenn er nicht so spielen darf wie er will, dann die anderen eben auch nicht. Und außerdem ist sowieso alles schlecht, was die da machen.

Sandkisterl oder doch nur unser Alltag?


Harald Petr leitet seit 1998 das OVERHEAD-Magazin.

- Anzeige -
Roma Inline

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here