Martin Klinka
Berufsschullehrer Wien & Trainer Matrix Österreich

Seit Jahren immer wieder zu Schulbeginn das gleiche Bild. Das gleiche? Nein, es wird leider doch noch schlimmer. Allgemein weniger Lehrstellensuchende, davon noch dazu weniger Interessierte. Warum? Beginnen wir am Ursprung, den Erziehungsberechtigten. Darin steckt „Erziehung“. Dinge wie „Richtig bewerben“, „Grüßen“, „Verlässlich erscheinen“, „Interesse zeigen“, „Selbstverantwortung“ etc… sollten in dem Wort „Erziehung“ mitgegeben werden.

Leider oft schon die erste Enttäuschung für Unternehmen und Berufsschulen. Dann kommt nach einem hoffentlich doch positiven Eindruck die Lehre. Schon kursiert die familiäre Feststellung „Bieg die drei Monate Probezeit runter, dann kann nichts mehr passieren“. Frustration und Demotivation machen sich oft breit. Auf beiden Seiten. Und dann kommen die österreichische Bürokratie wie Arbeitsinspektorat, Gewerkschaft leider noch hinzu. Wenn man dann noch von Strafen an Unternehmen hört, weil sie korrekte Arbeitszeitaufzeichnungen vorlegen, jedoch der Lehrling an einem bestimmten Tag dringend gebraucht wurde, dadurch zu lange anwesend war, am nächsten Tag Zeitausgleich bekam und dafür das Unternehmen mit mehreren Hundert Euro gestraft wird, kann das sicherlich kein Anreiz für die Vergabe von Lehrstellen sein. Ebenso die Bürokratie bei der Lösung eines Lehrverhältnisses. Und wenn dann die Jugend aus vielerlei Gründen keine Arbeitsstelle bekommt, wird die Politik einfallsreich. „Ausbildungsgarantie für alle“ bis zum 18. Lebensjahr. TOLL!!! Wer möchte Menschen ausbilden, die nicht wollen, aber laut Gesetz entweder eine Lehre oder Schule besuchen müssen? Somit werden vom AMS Firmen gegründet, die arbeitslose Jugendliche „beschäftigen“ und in unterschiedlichsten Berufen ausbilden. Praxis? Weit gefehlt und somit wieder zweite Wahl und weiter arbeitslos. Aber um drei Jahre verschoben und die Politik freut sich über niedrige Jugend-Arbeitslosenzahlen. Es wäre an der Zeit, „EHRLICHKEIT“ an den Tag zu legen und dem Begriff „LEHRE“ endlich einen positiven Imagewechsel zu verpassen und verstaubte Bürokratie zu erneuern. Das Neue Wort in der Politik heißt „Bewegung“ und nicht mehr „Partei“. Bitte endlich auch in unserem Beruf.

Martin Klinka; Berufsschullehrer der Stadt Wien.

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