In den österreichischen Friseursalons bewegen sich pro Tag im Durchschnitt 28 Menschen auf 60 Quadratmetern zwischen sechs Bedienplätzen, zwei Waschplätzen, einer Toilette und einem Personalraum. Kunden, Mitarbeiter und Lieferanten, morgens, mittags und abends, fünf Tage in der Woche. Penibelste Reinlichkeit, Sauberkeit und Hygiene sind da gefragt. Das hat nichts mit dem Putzfimmel zu tun.

Alle, die berufs- oder gewerbsmäßig Tätigkeiten am Menschen durchführen, sind zur sorgfältigen Beachtung der allgemein anerkannten Regeln der Hygiene verpflichtet. Hygiene, nicht nur am Arbeitsplatz, stellt sicher, dass die Aufnahme von gefährlichen Inhaltsstoffen der Haarfärbemittel, Haarlacke, Blondiermittel etc. sowie die Möglichkeit der Übertragung von Krankheitserregern zwischen dem Kunden, dem Friseur und den folgenden Kunden weitestgehend reduziert werden kann. Ein sauberer und hygienischer Salon fördert das Vertrauen der Kundschaft, dient damit auch der Werbung für den Friseur. In Österreich gibt es noch keine Hygieneverordnung für Friseursalons, diese soll aber demnächst umgesetzt werden. Lediglich im Evaluierungsleitfaden für Friseursalons wird auf Mitarbeiterschutz und Hygiene im Salon eingegangen.

  1. Risiken bewerten
  2. Risikominimierung (technisch, organisatorisch, persönlich) durchführen
  3. Evtl. Überwachungsverfahren festlegen

Davon ausgehend, dass sich Friseure dieser Verantwortung bewusst sind und schon im Beratungsgespräch eventuelle Hygienemängel an ihren Kunden erkennen und vermeiden können, weist Prof. Dr. Harald Kessler, gerichtlich beeideter Sachverständiger für Hygienefragen, auf die Gefahr von Hepatitis B und C hin, die speziell beim Rasieren durch Schnittverletzungen übertragen werden können. Eine entsprechende Impfung wäre hier sowohl als Eigen- wie auch als Kundenschutz notwendig, kann aber von den Mitarbeitern nicht verlangt werden. Ebenso ist die Frage nach einer Erkrankung des Kunden durch den Chef, die Chefin unzulässig. So die Auskunft durch Elisabeth Gross von der AK. Hier hilft nur die sinngemäße Anwendung von Einmal-Wegwerfklingen. Läuse sind immer wieder ein Thema. Allerdings erkennt man das beim Beratungsgespräch vor dem Haareschneiden. Hier sollte, muss und darf man dann sofort den Kunden zum Verlassen des Salons auffordern.

Rasierklingen nur ein Mal verwenden. Die Übertragungsgefahr von Hepatitis B und C kann dadurch reduziert werden.
Bei Schnittverletzungen Hände bzw. die Wunde desinfizieren. Einwirkzeiten beachten (30 sek bis 1 Min.)
Bei Nissen Kämme und Bürsten mindestens 24 Stunden ins Gefrierfach. Danach sind die Viecherln tot und unschädlich.

Auch bei der Saloneinrichtung kann man Gefahrenherde ausschließen. Fugendichte Fußböden, glatte, fugenarme Arbeits- und Ablageflächen sind leichter wasch- und desinfizierbar. So lassen sich auch Haare besser wegkehren. Dass das regelmäßig und nach jedem Kunden passiert, sollte Standard sein. Ein räumlich zum Personalraum abgegrenztes Labor sowie Toiletten mit einem Handwaschbecken, Flüssigseife, Einmalpapierhandtüchern und einem Hygienekübel mit Deckel wären hier ebenso zu erwähnen.

„Gut gepflegte Hände, sichtbare Verschmutzung sofort abwaschen und zwischendurch bei Bedarf die Hände mit einem guten rückfettenden Handdesinfektionsmittel desinfizieren, das sind die wichtigsten hygienischen Maßnahmen”, so Dr. Roswitha Hosemann von der AUVA. „Übrigens: Händedesinfektionsmittel mit rückfettenden Substanzen sind hautschonender als Händewaschen. Händehygiene ist daher eine der wichtigsten präventiven Maßnahmen zum Schutz vor Infektionen.”

Es ist darauf zu achten, dass keine Seifenstücke, gemeinsame Nagelbürsten und Gemeinschaftshandtücher verwendet werden. Der Hautschutzplan ist einzuhalten. Während der Arbeit darf kein Schmuck, wie z.B. Uhren, Ringe, Ketten, getragen werden, da unter dem Schmuck durch Einwirkung von Feuchtigkeit oder Chemikalien die Entstehung von krankhaften Hautveränderungen begünstigt wird. Beim Haarefärben und -waschen sind unbedingt langstulpige Einmalschutzhandschuhe zu verwenden.

Die Wurstsemmel neben oder zwischen der Arbeit ist ein No-Go. Die Zeit zum Essen im Personalraum sollte doch sein. „Alles, was dort oder am Fußboden länger als drei Sekunden herumliegt, sollte man wegwerfen”, sagt Prof. Dr. Andrea Grisold vom Grazer Hygieneinstitut.

Die Kontakt- und Arbeitsflächen sollte man an jedem Arbeitstag gründlich mit Reinigungsmittel reinigen. Eine gezielte Flächendesinfektion muss nur unmittelbar nach Kontaminationen mit Blut oder anderen Verunreinigungen durchgeführt werden. Zur Flächendesinfektion sollte nur ein Scheuer-Wischverfahren angewendet werden. Sprühdesinfektionen sind zu vermeiden, da Aerosole in die Luft gelangen und allergische Reaktionen auslösen. Zudem wird bei einer Sprühdesinfektion nur punktuell eine Fläche desinfiziert, der Großteil der Fläche wird nur dünn mit einem Nebelfilm überzogen. Die Wirkungszeit sowie die Konzentration sind bei einem Nebelfilm für eine Desinfektion nicht ausreichend. Eine Sprühdesinfektion sollte nur dort angewendet werden, wo eine Scheuer-Wischdesinfektion nicht durchgeführt werden kann. Um ein Verschmutzen und Verkeimen der Lösung zu verhindern, darf das zur Desinfektion benutzte Wischtuch nicht wieder in die Desinfektionslösung eingetaucht werden. Das Desinfektionsmittel darf nur mit kaltem Wasser angesetzt werden. Die Herstellerangaben sind genau zu beachten.

Die Instrumentenaufbereitung sollte nicht im Kundenbereich erfolgen. Ist dies nicht anders möglich, muss der Aufbereitungsplatz von den Frisier- und Waschplätzen ausreichend entfernt sein. Zu desinfizierende Gegenstände sind alle Gegenstände aus Metall, Glas oder Kunststoff, die bei der Ausübung der Friseurtätigkeit mit Blut oder sonstigen Körpersekreten oder infektiösen Partikeln (z. B. Hautpilz) verunreinigt werden können. Diese sind, sofern es sich nicht um Einmalartikel handelt, z. B. Scherköpfe, Rasiermesser/ -klingen, Scheren, Kämme, Bürsten, Lockenwickler, Haarklammern usw., generell nach jedem Kunden zu säubern.

Ein aufgeräumter Arbeitsplatz: Taschen für jeden Mitarbeiter für Werkzeug und Fön nach der Reinigung

Die Kundenhandtücher sind bei 95°C 30 Minuten zu waschen. Bei Trocknung der Handtücher in einem Wäschetrockner ist es aus hygienischen Gründen ausreichend, diese bei 60°C zu waschen. Mehrwegumhänge sind regelmäßig bei 30°C zu waschen.

Gebrauchte Wäsche ist in einem geschlossenen Behältnis abzulegen. Grundsätzlich gilt: für jeden Kunden neue Handtücher.

Abgeschnittene Haare gehören ebenfalls in einen geschlossenen Behälter und werden über den Hausmüll entsorgt.

Reinigungsplan für Friseurbetriebe

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